Was wir wollen

Was wir wollen, unsere Forderungen an die Politik:

Wir fordern, dass die deutsche Politik die Stärkung der Reparatur als wesentliches Element der Ressourcenschonung konkret vorantreibt. Dies ist bisher nicht hinreichend geschehen.
Folgende Maßnahmen sollten ergriffen werden:

1) Zugang zu Ersatzteilen:

Hersteller, Händler und Importeure müssen verpflichtet werden, allen Marktakteuren über die gesamte Nutzungsdauer hinweg Ersatzteile zugänglich zu machen.

2) Zugang zu erschwinglichen Ersatzteilen:

Der Preis von Ersatzteilen muss in einem vernünftigen und begründbaren Verhältnis zu ihren Herstellungskosten stehen. Ein Rechtsanspruch an die Verfügbarkeit von Ersatzteilen zu diesen Konditionen ist sicherzustellen. Darüber hinaus müssen Geräte so konstruiert werden, dass der Preis für funktionale Ersatzteile 20 Prozent des unverbindlich empfohlenen Kaufpreises der Hersteller nicht übersteigt.

3) Zugang zu Ersatzteilen aus Altgeräten:

Reparaturbetrieben und Initiativen ist in geeigneter Form ein Zugang zu Altgeräten zu ermöglichen, um aus diesen Ersatzteile zu gewinnen. Da die Hersteller gesetzlich verpflichtet sind, die Entsorgung aller Geräte nachzuweisen, die sie in den Markt bringen, müssten diese Geräteentnahmen hierbei berücksichtigt werden.

4) Deutschland braucht einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für Reparaturdienstleistungen und Gebrauchtwaren:

Ein reduzierter Mehrwertsteuersatz auf Reparaturdienstleistungen und Gebrauchtwaren macht die Reparatur attraktiver. Dies stärkt den Reparatursektor und schafft Anreize für Hersteller reparaturfähige Produkte zu vermarkten. In einigen europäischen Staaten, wie zum Beispiel in Frankreich, wird dieses Instrument bereits genutzt.

5) Reparaturfreundliches Produktdesign:

Das Produktdesign entscheidet maßgeblich mit darüber, ob ein Produkt repariert und an neue technologische Standards angepasst werden kann. Verklebung von Teilen, wie z.B. Akkus, kann zur Irreparabilität eines Produktes führen. Festverbaute Elemente können eine Nachrüstung unmöglich machen. Eine immer höhere Integration von Teilen kann die Reparatur verhindern oder unbezahlbar machen, weil Einzelteile nicht mehr isoliert repariert oder ausgetauscht werden können. Anforderungen an die Reparierbarkeit sind in verbindlichen Produktanforderungen zu verankern.

Reparaturfreundlichkeit muss für den Kunden erkennbar sein: In Anlehnung an die Österreichische Norm ONR 192102 2014 fordern wir, auch in Deutschland die Möglichkeit zu schaffen, langlebige und reparaturfreundliche Produkte für VerbraucherInnen nachvollziehbar und glaubwürdig zu kennzeichnen. Auch bestehende Umweltzeichen wie der Blaue Engel sollten Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit in ihren Vergabekriterien deutlich stärker einbeziehen und damit für den Konsumenten wirklich langlebige Produkte erkennbar machen.

6) VerbraucherInnen aufklären:

VerbraucherInnen müssen über die Bedeutung von Wartungsmaßnahmen und die Möglichkeiten der Reparatur aufgeklärt werden. Deshalb fordern wir:

a) Dass Informationen zur Bedeutung der Lebensdauerverlängerung, der Wartung von Produkten und über die Möglichkeiten der Reparatur dem Produkt beiliegen und im Internet bereitgestellt werden müssen.

b) Dass breit angelegte Informations- und Aufklärungskampagnen initiiert und gefördert werden, die den Stellenwert einer längeren Produktnutzung für Ressourcen- und Umweltschutz deutlich machen und die Bedeutung von Wartungs- und Reparaturmöglichkeiten hierfür herausstellen. Die Öffentlichkeitsarbeit von Reparaturinitiativen und Werkstätten können dazu einen wesentlichen Beitrag leisten und sollten daher gefördert werden.

c) Irreführende Werbung muss überwacht und sanktioniert werden. Bei Werbung für den Neukauf von Produkten mit Umweltargumenten muss auf den Rohstoff- und Energieverbrauch bei der Herstellung hingewiesen werden.  

7) Bereitstellung von technischen Daten und Diagnosesoftware:

a) Reparaturrelevante technische Dokumentationen/Daten und Diagnosesoftware sowie produktspezifische Werkzeuge müssen allen Reparaturbetrieben und ehrenamtlichen Reparaturinitiativen digital und möglichst kostenfrei zu Verfügung gestellt werden.

b) Validierte Qualitätssicherungssysteme der Hersteller können für Endkunden sinnvolle Hinweise zur Eignung eines Reparaturbetriebes liefern. Was im Bereich der herstellerunabhängigen Kfz-Reparatur seit Jahren etabliert ist (die Bereitstellung von Ersatzteilen, umfassenden Service-Dokumentationen und Diagnosesoftware für alle freien Werkstätten), muss auch in anderen  Produktbereichen selbstverständlich sein.

c) Das Zusammentragen von reparaturrelevanten Informationen muss unterstützt werden. Entsprechende Aktivitäten, wie z.B. die Digitalisierung „älterer“ Bedienungsanleitungen dürfen nicht kriminalisiert werden.

d) Die Hersteller sollten verpflichtet sein, die Konstruktionsdaten von Ersatzteilen, die nicht lieferbar sind, umsonst zu Verfügung zu stellen oder zu einem Preis, der in einem vernünftigen und begründbaren Verhältnis zu den Herstellungskosten des Ersatzteils steht. So wird gewährleistet, dass Ersatzteile im Nachbau (etwa durch 3D-Druckverfahren) hergestellt werden können.

8) Reparatur-Autorisierung für mehr Fachbetriebe auch während der Garantiezeit:

Wir fordern, dass Fachbetriebe in der Garantiezeit die notwendigen Reparaturen durchführen dürfen und dass die Hürden für die Autorisierung möglichst niedrig sind.


Positionspapier_RunderTisch